Dienstag, 11. Oktober 2005

Editors - "...würden gerne einmal mit einer guten deutschen oder österreichischen Band touren..."

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Ich habe euch über MYSPACE.com entdeckt und die Musik gefiel mir auf Anhieb sehr gut. So gesehen könnte man das folgende Interview mehr als Gespräch mit einem Fan sehen. Für die Leser die euch noch nicht kennen, habt ihr jedenfalls jetzt die Möglichkeit euch vorzustellen:

Im Februar und März haben wir unser Debutalbum im Studio „The Chapel“ Lincolnshire, nahe der Ostküste des Vereinigten Königreichs aufgenommen. Dort haben wir uns sehr isoliert von der Außenwelt gefühlt, so wie Tiere die in einem Käfig eingesperrt sind, vor allem wenn wir „freigelassen“ wurden um Shows zu spielen. Aufgenommen wurde das Album von Jim Abbiss der ja durch seine Arbeiten mit Björk, Kasabian, Dj Shadow oder Placebo sich einen Namen gemacht hat. Mit dem Ergebnis sind wir jedenfalls sehr zufrieden. Es klingt sehr dunkel, aber ist live sehr intensiv mit den ganzen elektronischen Sounds. Nachdem das Album eingespielt und aufgenommen war, hatten wir eine Woche frei, und mittlerweile touren wir wieder hier in England.
Es gefällt uns sehr wieder auf Tour zu sein, da man auch den ansteigenden Publikumszustrom seit unser letzten Tour bemerken kann.

Der NME hat kürzlich eine Liste mit der „Indie New Order“ veröffentlicht, in der viele Bands als neue Hoffnungen bezeichnet wurden. Wie seht ihr eigentlich die derzeitigen Entwicklungen in der britischen Indie Szene. Glaubt ihr das so etwas wie eine „Neue musikalische Ordnung“ kommt?

Ich glaube das es sich seit dem ersten Strokes Album sehr viel getan hat. Vor allem hat es viele junge Menschen inspiriert Gitarrenmusik zu machen, da es auch immer mehr Veranstalter geben hat die das gut fanden und am Ende hat jeder davon profitiert, Veranstalter wie auch die Künstler selbst. Außerdem lieben es die Musikjournalisten diverse Szenen zu bilden, in deren sich die Kids wohl fühlen.
Ich würde uns allerdings in keine Szene einordnen wollen, aber bewundern schon Acts wie Bloc Party oder Franz Ferdinand , die die Türen für Art Rock Acts geöffnet haben damit diese erfolgreich werden.
Ich kann aber nicht sagen das eine „Neue musikalische Ordnung“ kommt, ich glaube einfach eher das wir in einer Zeit leben, in der mehr Labels nach vorne schauen und kreativer denken, sowie mit interessanten Acts zusammenarbeiten möchten, da sie von der „alten Ordnung“ genug haben.

Wenn ich mir die britischen Indie Strukturen ansehe dann bemerkt man vor allem das ein Fanzine namens Drowned in Sound in den letzten Jahren zu der Newcomer Schmiede schlechthin geworden sind. Der NME hat also seine Entdeckerrolle stark eingebüßt und nicht jeder Hype darin hat auch Erfolg. Ist diese „Indie Struktur“ nun das Rezept im Bezug auf die angesprochene „neue Ordnung“ der britischen Musikindustrie?

Ich denke das Drowned in Sound einerseits eine tolle Website ist, aber auch im allgemeinen viel für die Musik hierzulande macht. Drittens sind es alles Leute die es für sich selbst machen, da ihnen die Musik etc gefällt, und es gibt viele Bands die bewiesen haben das man auf einem Indie Label Erfolg haben kann. Ich denke das ein Indie den Künstler mehr Kreativitätsmöglichkeiten gibt, aber natürlich nicht für jede Band interessant ist.

Eure Debut Single trägt den Titel „Munich“. Welche Story steckt hinter diesem wirklich sehr schönen Song?

Im allgemeinen sollen unsere Songs dem Hörer die Möglichkeit geben ihre eigene Geschichte damit zu verbinden und den Song zu personalisieren. Lose gesagt bezieht sich der Song auf die Zebrechlichkeit im Menschen. Aber wir wollen nicht zuviel vorgeben, denn die besten Songs sind die, die man auf einem Individuellen Level erfahren kann. „Munich“ ist aber einfach ein guter Titel für einen Song.

Wie kam eigentlich der Kitchenware Records Deal zustand. Vor allem wenn man bedenkt das dieses Label einen Relaunch vollzog und musikalisch gesehen doch different mit eurer Musik ist?

Wir bekamen von Anfang an viel Aufmerksamkeit von den verschiedensten Plattenfirmen und haben uns angesehen welches Label an unsre Arbeit glaubt aber auch einen langfristigen Plan umsetzen möchte sowie die Erfahrung und die nötige Kraft haben dies durchzuführen. Die Menschen bei Kitchenware waren sind fantastisch und erfüllen diese Kriterien. Zudem sind sie große Fans von der Band und arbeiten wirklich sehr hart für uns.
Ich finde das wir sehr gut in die Kitchenware Ethik passen.

Als Österreicher ist es für mich sehr frustrierend zu sehen das kein Act aus meinem Land in England erfolgreich ist. Glaubt ihr das dass britische Publikum im allgemeinen nicht so offen den Acts aus dem deutschsprachigen Raum gegenüber steht, oder sollten diese einfach mehr dort touren um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen?

Ich denke das die Menschen hier sehr offen gegenüber neuen Acts und neuer Musik sind egal von wo sie kommt. Vor allem aus Skandinavien oder Frankreich kommen seit Jahren gute Acts die hier sehr erfolgreich wurden und werden. Ein paar Gebiete in Europa haben allerdings ein schlechtes Renommee und die Musik von dort klingt ein bisschen wie der Eurovisions Song Contest. Ich kann mir vorstellen man etwas das so grässlich ist wie David Hasselhof, nicht gerne die Hand schütteln will, doch es braucht nur eine Band die den Impact hier schafft und viele mehr werden folgen.
Wir würden jedenfalls gerne einmal mit einer guten deutschen oder österreichischen Band touren, weil es etwas anderes ist und möglicherweise sehr aufregend.
Wir lieben Musik, und deshalb ist es uns auch nicht wichtig von wo die Bands kommen!

Welchen Tipp könnt ihr Newcomer Acts geben um mehr Aufmerksamkeit im Biz zu bekommen?

Für uns war Geduld der Schlüssel zum Break. Man bot uns 6 bis 7 Monate vor dem Kitchenware Signing einen Deal an, doch je mehr wir darauf brannten, wir waren einfach noch nicht bereit. Es war also eine sehr schwere Entscheidung, aber wir sind mit dieser heute sehr zufrieden. Wir haben uns in dieser Zeit sehr verbessert und sind als Band nun viel besser als zuvor. Ich würde Newcomer Acts raten so viele Gigs wie möglich zu spielen. Es ist harte Arbeit, durch die man besser wird.

“Band to Band Promotion“ war für Bloc Party beispielsweise sehr wichtig, denn nachdem Franz Ferdinand ihr Demo bekamen, und diese es mochten, ging es plötzlich steil bergauf. Welche Meinung habt ihr zu diesem Thema?

Ich finde es sehr gut das sich Bands gegenseitig unterstützen. Diese Leute sind vom gleichen Schlag und deshalb ist es nur natürlich das man sich unterstützt. Guy Garvey von Elbow hat unser Material gefallen und er hat uns darauf gleich gefragt ob wir nicht ein paar B-Sides mit ihm produzieren möchten. Wir sind alle sehr große Elbow Fans, und so war es natürlich eine Ehre für uns. Bei einem Dinner vor unserem Gig in Manchester haben wir dann unseren „Schlachtplan“ besprochen.

Wann kommen die Editors nach Österreich oder Deutschland?

Sobald unser Album fertig ist, können wir auf die Suche nach Lizenzpartnern in Europa gehen. Es laufen aber bereits Gespräche mit einigen Labels bzgl. einem Record Deal. Derzeit ist es aber noch etwas zu früh wann wir dort sein werden, aber ich bin sicher das es in der näheren Zukunft sein wird. Wir freuen uns alle Europe zu bereisen und andere Plätze kennen zu lernen. (Anm. d. Red.: EDITORS spielen am Frequency Festival in Salzburg!)

Habt ihr eigentlich derzeit Favoriten aus der Indie Szene, wie Bloc Party, Bravery etc?

Wir finden Tom Vek sehr gut und eine US Band die sich We are the Scientists nennen, welche mit uns auch ein paar Dates auf unserer kommenden Tour spielen werden.

Tom hat ein Stimme die sehr oft mit der von Ian Curtis verglichen wurde. Sind diese dauerhaften Vergleiche störend sich sein eigenständiges Images aufzubauen?

Tom ist Bartion, deshalb wird er immer mit Sänger verglichen die diese Tonlage haben und hatten. Es ist immer gut mit diesen großen Bands verglichen zu werden, aber die meiste Zeit nehme ich das nicht war. Wir haben alle unsere Individualität und unsere eigene Weise zu spielen.

Danke fürs Interview, und für „Bullet“ und „Munich“. Ich freue mich auf das Album und wünsche euch viel Erfolg damit

Wir danke auch, es war uns ein Vergnügen!

Text und Interview: - Stefan Urschler -

Quelle: Noize.cc

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